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Was passiert mit der Gesellschaft, wenn es kein Bargeld mehr gibt?

Ein Telepolis Artikel mit dem Title "Das lange Ende des baren Geldes" hat sich der Frage "Was passiert mit der Gesellschaft, wenn es kein Bargeld mehr gibt?" angenommen.
Darüber hinaus gibt es sehr interessante Kommentare. Mich interessieren bei dieser Frage besonders die Punkte:

  • Geht die Wertschätzung gegenüber der erworbenen Ware verloren?
  • Geht die Wertschätzung zwischen meiner geleisteten Arbeit und der erhaltenen Entlohnung verloren?
  • Verlieret man den Überblick über die vorhandenen Zahnungseinheiten?
  • Wenn das bezahlen so einfach geht, wird alles zur Ware?
  • Bei einer solch fundamentalen Änderungen in der Gesellschaft, wer trägt eine Verantwortung und wer stellt sicher, dass sie verträglich im Sinne eines Generationenvertrages ist?

Mit diesen Fragen im Kopf fand ich nachfolgende Kommentare zu dem oben genannten Artikel sehr spannend.

Die Motivationfrage beantwortet alles.
lettort (mehr als 1000 Beiträge seit 18.10.06)

Ich mag die historische "Entmaterialisierung des Geldes" aufgrund mangelnder Kenntnis nicht in Frage stellen, aber bei dem ganzen Prozess wurde die Motivationsfrage nie gestellt.

- "Warum wird Geld entmaterialisiert?"
- "Weil Monarchen und Eliten ihre Interessen durchsetzen wollen!"

Ist ein Tauschmittel allgemein - also für jedermann - gleich limitiert und gleich schwer zu erwirtschaften, unterwerfen sich Eliten und Bürgerliche den gleichen Spielregeln. Das Tauschmittel besitzt hauptsächlich den Zweck als Zahlungsmittel. Will eine Kultur mehr "Gold" erwirtschaften, so muss es innovativ oder aggressiv werden. Es gibt jedoch keinen Weg an den natürlichen Begrenzungen vorbei.

Sobald aber eine Seite das Privileg erhält, ein Tauschmittel zu generieren, entsteht ein Machtgefälle. Denn der Privilegierte generiert nicht nur nach Belieben, er entscheidet auch, wer in welchen Teilen das Tauschmittel erhält und bestimmt damit die Spielregeln. Tauschmittel werden zum Druckmittel. Zentralbanken verleihen Geld an Privatbanken, welche als Pfad Wertpapiere hergeben, die irgendeiner privaten Bewertung entstammen und schließlich dann platzen, wenn eine Wirtschaftskrise alles aufdeckt. Real muss hier nichts mehr sein, aber System hat das Ganze allemal. Wenn etwas ganz schlecht läuft, dann werden einfach neue Regeln erschaffen (Bail-In -> Bail-Out, etc.)

Für mich gilt:
Wenn ein Bitcoin-System, also ein von Menschenhand weder in Qualität noch in Quantität beeinflussbares Tauschmittel, das neue E-Tauschmittel wird, dann kann ich die im Artikel geschilderte Entwicklung gutheißen.
Alles andere fördert nur die Eliten mit ihren totalitären Ansprüchen und damit die Schlechtigkeit der Menschheit.

Quelle
Wenn man zweimal darüber nachdenkt, dann entdeckt man Substanz
Über allen Wipfeln ist Ruh (mehr als 1000 Beiträge seit 09.09.13)

Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob ich Bargeld auf den Tresen lege, oder einfach mein Smartphone (ich hab selber keins) hinhalte.

Beim Bargeld gibt es einige zwingende Momente mein Tun zu hinterfragen:

- mein Kontostand, wenn ich das Geld aus dem Automaten ziehe
- die Entscheidung wie viel ich in der Geldbörse bereit halte
- Erinnerung an den Anschaffungsaufwand beim Anblick eines größerem Scheins
- das loslassen beim Weggeben des Geldes
- das spüren des Verlustes durch ein geringeres Gewicht der Geldbörse

Das mag auf den ersten Blick trivial erscheinen, dient aber in der Praxis als unbewusste Bremse.

Beim zahlen über das Phone rutscht man ohne Barriere in den Dispo und dann weiter in den Bereich der ungenehmigten Überziehung bis zum finalen Stop. Aufmerksamkeits-Marker werden dabei, wenn überhaupt optional sein, da das Bankgeschäft bei einer ungenehmigten Überziehung so richtig profitabel wird (Zins knapp unter der Wuchergrenze).

Quelle
Taschengeld und mehr
bombjack, bombjack@fastmail.ca (mehr als 1000 Beiträge seit 29.12.00)

Klingt banal, nur fällt dann auch das Taschengeld, der freiwillige Obolus an einen Bedürftigen oder Straßenkünstler* flach....

Zudem eröffnet das Ende des baren Geldes die Möglichkeit sich jeden Furz bezahlen zu lassen, denn so wie bei der Sperr- und Filterstruktur im Netz (Stopp-Schilder der Zensursula) ist die Infrastruktur einmal installiert, kann sie für alles eingesetzt werden d.h. kann Micropayment von der Online-Welt auf die reale Welt übertragen werden....

Außerdem lassen sich die Banken jede Transaktion vergolden.....denn ist nicht mehr möglich eine größere Summe vorrätig zu haben, sondern jede Transaktion muss über einen Dritten (die Bank) geführt werden und wenn es nur 1 Euro ist....und da macht in der Summe dann Kleinvieh auch gehörig Mist.

bombjack

Quelle
4. Freie Verfügbarkeit über mein Geld
Naturzucker (mehr als 1000 Beiträge seit 06.03.12)

Über Geld in meiner Brieftasche kann ich jederzeit frei verfügen.

Geld auf meinem Konto stellt lediglich eine Forderung an die Bank dar. Die, wie man in GR sieht, jederzeit bestimmten Restriktionen unterworfen werden kann. Liegt mein Geld auf der Bank, dann bin ich der Willkür von Banken und Staat ausgesetzt.

Liegt mein Geld zu Hause unter der Matraze, dann drohen mir allenfalls Einbrecher.

Quelle

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